Pseudowissenschaften

Aleksandr Shitik
Aleksandr Shitik

Ich schreibe meine eigenen Beiträge und Bücher und rezensiere Filme und Bücher. Experte für Kosmologie und Astronomie, IT, Produktivität und Planung.

Pseudowissenschaften

Mädchen, jetzt wird es wehtun. Es wird um Pseudowissenschaften gehen, und aus irgendeinem Grund sind ausgerechnet Sie am ehesten geneigt, an sie zu glauben. Pseudowissenschaften gibt es insgesamt viele, aber sprechen wir über die wichtigste und diejenige, die den größten Einfluss auf die Köpfe der Menschen hat (oder auf deren Fehlen). Sprechen wir über Astrologie.

Sagen Sie, wie viel ist 2 + 2? Wenn Sie lesen können, können Sie höchstwahrscheinlich auch rechnen und werden sagen, dass es 4 ist. Für Sie ist das offensichtlich, Sie wissen es mit Sicherheit. Für ein Kind im Kindergarten nicht. Es wird nachdenken, anfangen, an den Fingern zu zählen, an der Antwort zweifeln. Es weiß es mit Sicherheit nicht. Ich gebe gern noch ein Beispiel. Es hat mit meiner Arbeit und mit dem Thema Programmierung zu tun, aber ich bin sicher, dass man eine ähnliche Analogie in fast jedem Beruf ziehen kann. Sie beenden eine Bildungseinrichtung in Ihrem Fach, schreiben Code, das Programm funktioniert und hilft jemandem wirklich, erleichtert ihm das Leben. Die Zeit vergeht, und in dem Maße, wie Sie Ihre beruflichen theoretischen Fähigkeiten ausbauen und Erfahrung sammeln, öffnen Sie etwa 5 Jahre später denselben Code und schämen sich sehr dafür. Jetzt hätten Sie solchen Code niemals geschrieben: Er ist nicht sicher, man kann ihn leicht hacken, er läuft nur auf bestimmten Betriebssystemen, und Änderungen am Code vorzunehmen und ihn zu pflegen ist schwer. Welcher Dummkopf hat ihn geschrieben? Ach, das war ich! Aber was ist in diesen 5 Jahren geschehen? Ich bin in allen theoretischen und praktischen Fähigkeiten erfahrener geworden, und jetzt ist mir offensichtlich, dass dieser Code schrecklich ist. Genauso offensichtlich, wie Ihnen offensichtlich ist, dass 2 + 2 gleich 4 ist. Geben Sie es zu, Architekten, Künstler, Musiker und Leute anderer Berufe und Richtungen: Ist Ihnen dieses Gefühl vertraut? Ist es vorgekommen, dass Sie sich schämen, jemandem Ihre Werke von vor 5–10 Jahren zu zeigen? Ich denke, ja, und jetzt, da Sie klüger sind als Ihr früheres Ich, ist es Ihnen offensichtlich.

Mit der Astrologie verhält es sich in Wirklichkeit genau gleich. Ein Mensch, der erstens die exakten Wissenschaften (Physik und Astronomie) wenigstens ein wenig versteht, wobei der Schulkurs völlig ausreicht, und zweitens kritisches Denken besitzt, ist imstande zu begreifen, dass Astrologie der blanke Unsinn ist. Mir ist das ebenso offensichtlich, wie Erwachsenen offensichtlich ist, dass 2 + 2 gleich 4 ist. Aber die Mehrheit der Menschen bleibt in dieser Frage dennoch ebenjene Kindergartenkinder, die zögern, die Astrologie als Pseudowissenschaft anzuerkennen, die Astrologen sogar eine Chance geben wollen oder, was noch schlimmer ist, an Astrologie und Horoskope glauben.

Warum glauben Menschen überhaupt an Astrologie? Kurz gesagt, wie ich oben schon geschrieben habe, fehlt es ihnen an Wissen in den exakten Wissenschaften, und es fehlt ihnen auch an Logik, um von sich aus anzufangen, nach Unstimmigkeiten zwischen der Astrologie und dem modernen Wissen über den Aufbau des Universums zu suchen. Und auch deshalb, weil auf dem Ersten Kanal eine Unterhaltungssendung läuft, „Lasst uns heiraten“, in der eine Frau allen Ernstes Kompatibilitätskarten für ein Paar erstellt. Auf einem föderalen Sender kann man doch nicht lügen, oder? Erst recht nicht in Unterhaltungsinhalten? Nicht wahr? Oder kann man es doch? Solcher „und außerdem“ lassen sich unendlich viele finden. Die Astrologie hat also alle möglichen Nischen gefüllt, vom Fernsehen bis zum Internet, und das ist nicht verwunderlich, denn es gibt keine Stellen auf staatlicher Ebene, die das regeln würden. Und es finden sich auch noch Star-Idole mit Millionen von Followern, die sich in einer schweren Stunde an Astrologen um Hilfe gewandt haben. Das sind für Sie bekannte und maßgebliche Menschen, nicht wahr? Und wenn sie bekannt und maßgeblich sind und obendrein reich, dann haben sie das Leben vermutlich von verschiedenen Seiten gesehen, sich ihren Lebensunterhalt verdient, und das heißt, man kann ihnen glauben. Aber niemand stellt die Frage, dass sie sich ihren Lebensunterhalt verdient haben und populär geworden sind nicht dank der Logik, sondern dank anderer Fähigkeiten: Musik, Dreharbeiten zu Filmen oder, was noch schlimmer ist, Videoinhalten im Internet. Im Ergebnis ist die Astrologie in der Welt sehr populär und praktisch nicht auszurotten.

In der Regel versteht man unter Astrologie in der vereinfachten Variante am häufigsten den Einfluss von Himmelskörpern auf den Menschen oder aber die Beziehungen zwischen Menschen (wiederum auf der Grundlage der Stellung der Himmelskörper, da das Geburtsdatum und besonders der Monat darauf nach der Logik von Menschen, die in Wirklichkeit keine Logik haben, sehr stark Einfluss hat).

Wir gehen beide Mythen durch: den vom Einfluss der Himmelskörper und den von den Beziehungen. Wobei der zweite eher als Folge des ersten kommt, deshalb werden wir beim zweiten nicht lange verweilen.

Die Logik der Astrologen besteht darin, dass es eine gewisse geheimnisvolle Kraft gibt, die, ausgehend von der Stellung der Himmelskörper, unsere Schicksale und Charaktere stark beeinflusst. Sicher haben viele gehört, wie Astrologen gern Jupiter, Mars, Neptun und andere Objekte des Sonnensystems mit hineinziehen. Hier bleiben wir genauer stehen.

In der Welt gibt es vier Arten von Kräften, oder vielmehr von Wechselwirkungen:
- elektromagnetische,
- starke (verantwortlich für die Bindung der Teilchen in den Kernen),
- schwache (verantwortlich für den Zerfall der Teilchen),
- gravitative.

Die starke und die schwache Wechselwirkung zeigen sich auf verschwindend kleinen Maßstäben, zum Beispiel in Atomen, deshalb hat es keinen Sinn, sie zu betrachten. Es bleiben die gravitative und die elektromagnetische Wechselwirkung. Die elektromagnetische besteht zwischen Teilchen, die eine elektrische Ladung besitzen. Da es in unserem Sonnensystem keine Quasare gibt und es sie im Großen und Ganzen auch nicht einmal in ein paar tausend Lichtjahren Entfernung von uns gibt, betrachten wir den Elektromagnetismus nicht. Man könnte natürlich zum Beispiel eine Eisenbahnstrecke oder den Haushaltsstrom betrachten, aber Astrologen können den Einfluss von Stromkabeln auf einen Menschen ganz offensichtlich nicht berechnen. Deshalb legen wir den Elektromagnetismus beiseite und gehen zur letzten Kraft über, der Gravitation. Übrigens ist die Gravitation eine schwächere Kraft als der Elektromagnetismus (das nur zur allgemeinen Bildung). Wenn Astrologen den Einfluss der Anziehung schon „berechnen können“, dann könnten sie wohl auch den Einfluss elektromagnetischer Kräfte berechnen, denn der ist stärker und wirkt stärker auf Menschen. Aber sie wissen davon kaum etwas, denn für sie ist 2+2 = 3. Also die Gravitation, vielen bekannt als Anziehungskraft. Ja, ja, es ist ebenjene Kraft, derentwegen Sie auf der Erde landen, wenn Sie springen, und derentwegen Äpfel vom Baum fallen, ebenfalls auf die Erde. Man sagt, ein Apfel sei Newton auf den Kopf gefallen, und danach habe er sein berühmtes Gesetz der allgemeinen Gravitation entdeckt. Ob er gefallen ist oder nicht, ist uns nicht sehr wichtig. Wir werden also zur Erde hingezogen, und die Erde wird zur Sonne hingezogen (nur rotiert die Erde, anders als wir, ständig mit großer Geschwindigkeit, und genau aus diesem Grund fällt sie nicht auf die Sonne, so wie wir nach einem Sprung auf die Erde fallen). Überhaupt besitzen alle Körper eine Anziehungskraft. Richtiger gesagt, so: Zwischen beliebigen Körpern lässt sich eine Anziehungskraft messen. Dafür gibt es eine Formel. Sie stimmt und funktioniert seit Langem zuverlässig. Mit ihrer Hilfe (und natürlich mit Hilfe noch vieler anderer Formeln) werden die genauesten Computersimulationen erstellt. Wir können zum Beispiel genau modellieren, wie weit sich der Mond in einer Million Jahren von uns entfernen wird. Und diese Formel ist die folgende:

Wobei G hier die Gravitationskonstante ist, also im Grunde eine konstante Zahl, m die Massen der Objekte (bitte nicht mit dem Gewicht verwechseln) und r der Abstand zwischen ihnen (genauer gesagt, der Abstand im Quadrat).

Je größer die Masse, desto größer die Anziehung. Es mag scheinen, dass Jupiter, da er um ein Vielfaches größer und schwerer ist als die Erde, sehr stark mit uns „wechselwirkt“, aber in der Formel steht auch, dass die Anziehung umso schwächer ist, je weiter die sich anziehenden Objekte voneinander entfernt sind. Wegen der unglaublich riesigen Entfernung zu diesem Planeten sind die Anziehungskraft und folglich der Einfluss auf die Menschen von der Erde aus völlig verschwindend gering. Sie liegt nahe bei null! Und hier ist es ganz und gar nicht wichtig, wann und wo ein Mensch geboren wird: Die Stellung Jupiters zur Erde wird es im Leben niemals schaffen, den Einfluss eines Bügeleisens oder eines Computerstuhls daneben zu übertreffen, oder den eines Nachbarn, der am Fenster vorbeigegangen ist. Im Grunde gibt es keine Instrumente und Computer, die diese geheimnisvolle „astrologische Kraft der Anziehung und Wechselwirkung“ registrieren könnten. Und wenn es sie nicht gibt, dann gibt es auch sie nicht. Dasselbe lässt sich über den Mars sagen: Auch wenn er uns deutlich näher ist, ist er viel kleiner. Mehr noch, man kann sagen, dass ein Auto in der Nebenstraße Sie viel stärker zu sich hinzieht als Jupiter oder Mars. Die Masse eines Autos ist natürlich viel kleiner als die des „Königs der Planeten“, aber das Auto ist näher.

Nicht umsonst habe ich nach dem Beispiel mit Jupiter geschrieben, dass es keine Instrumente gibt, die eine Anziehungskraft registrieren könnten, und dass es die Kraft folglich auch nicht gibt. Natürlich werden die Astrologen jetzt anfangen, ihre „Wissenschaft“ zu verteidigen, und sagen, man habe solche Geräte einfach noch nicht erfunden. Aber ich muss Sie enttäuschen: Sie können sich die Fähigkeiten moderner Apparaturen nicht einmal vorstellen. Sie sind zum Beispiel imstande festzustellen, dass jede Sekunde Billionen von Neutrinoteilchen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch einen Menschen (und auch durch die Erde) fliegen, ohne den Menschen dabei irgendwie zu beeinflussen oder mit ihm zu wechselwirken. Oder stellen Sie sich vor, Sie fahren mit einem Schiff über den Ozean, und bis zum Ufer sind es 1500 km. An diesem Ufer steht ein Leuchtturm mit einer hellen Laterne, richtiger sogar einem Scheinwerfer. Und vor diesem Scheinwerfer fliegen Mücken. Nun, dank der Technologien können Sie sie ohne Weiteres erkennen. Der Leuchtturm überstrahlt die Mücken keineswegs, und Sie können sie sehen, während Sie weit vom Ufer entfernt sind. Genau diese Empfindlichkeit hat der Koronograf (ein spezielles Instrument) am Teleskop Nancy Grace Roman. Moderne Weltrauminstrumente, erst recht im Zusammenspiel mit neuronalen Netzen und mathematischen Modellen, sind imstande, beim Erforschen des Kosmos wahre Wunder zu wirken, die Sie sich nicht einmal vorstellen können. Und glauben Sie mir, Wissenschaftler wissen mehr über den Kosmos, als Sie sich ausmalen können, und man könnte noch lange über interessante Arten fortfahren, den Kosmos zu erforschen: von der Spektralanalyse, die es erlaubt, die chemische Zusammensetzung eines Himmelskörpers zu erfahren, der Billionen Kilometer von uns entfernt ist, bis zur Nutzung ganzer Galaxien als riesige Vergrößerungslinsen zur Erforschung des fernen Kosmos.

Gibt es aber etwas, das im Kosmos noch nicht erforscht ist? Tatsächlich ja. Zum Beispiel dunkle Materie und dunkle Energie. Man sollte unter diesen Begriffen (besonders unter Energie) aber nichts Geheimnisvolles verstehen und sich keinen Illusionen hingeben: Das sind einfach Namen von Begriffen, die für die ständige Ausdehnung des Universums stehen, und die dunkle Materie ihrerseits für ebenjene fehlende Masse, dank derer im Universum die Bildung von Galaxien und Galaxienhaufen überhaupt möglich ist.

Gehen wir nicht am Mond vorbei und sprechen wir über ihn. Ist er imstande, uns irgendwie zu beeinflussen? Stellen wir uns zuerst eine logische Frage: Wie genau könnte der Mond uns auch nur in der Theorie beeinflussen? Erstens das verstärkte Mondlicht bei Vollmonden, zweitens die Gezeitenkräfte: Hier wirken wenigstens teilweise Gravitationskräfte. Was das Mondlicht angeht, so gibt es bis heute keine klaren und unbestreitbaren Beweise für seinen Einfluss. Vielleicht schreibt jemand, die Zahl der Morde oder anderer Verbrechen nehme zu, aber höchstwahrscheinlich liegt das daran, dass Menschen bei den einen oder anderen Ereignissen (sowohl guten als auch schlechten) geneigt sind, Assoziationen zu bilden. Assoziationen bei Vollmond lassen sich immer leichter bilden als bei leerem Mond. Sie haben zum Himmel geschaut, und das Erste, was Sie nachts sehen, ist ein großer Mond. Von da an werden Sie vielleicht denken, das habe irgendwie Einfluss gehabt. Aber bei genau demselben Ereignis in Abwesenheit des Mondes werden Sie andere Assoziationen haben. Das Licht hat also nichts damit zu tun. Mit der Gravitation ist es etwas interessanter. Der Mond ist imstande, Gezeiten zu bewirken, also Wasser zu beeinflussen, und der Mensch besteht zu 80 Prozent aus Wasser, werden Verschwörungstheoretiker sagen. Im Prinzip stimmt das, nur wirken Gezeiten über übergroße Entfernungen, auf Meeren und Ozeanen, also in einem einzigen verbundenen Wassersystem, dem Weltmeer. Haben Sie jemals Gezeiten an einem Teich oder einer Pfütze gesehen? Nein? Ich auch nicht! Ein Mensch ist, vom Wasservolumen her, dieselbe Pfütze, man sollte den Mond also nicht mit hineinziehen. Er beeinflusst die Menschen nicht.

https://youtube.com/shorts/O27PMa-2gIc?feature=share

(Der Einfluss des Mondes auf die Gezeiten)

Um beim Thema der Erforschung des Kosmos zu bleiben: Man muss überhaupt verstehen, dass unser Sonnensystem in Wirklichkeit kreuz und quer erforscht ist. Ja, im Kosmos insgesamt gibt es noch etliche Rätsel, aber sie hängen in der Regel mit einem ferneren Teil des Kosmos zusammen. Ja, vielleicht wissen wir gerade jetzt nicht, ob es unter dem Wasser auf Europa (einem Mond des Jupiter) irgendein Leben gibt, und wir wissen nicht einmal sicher, ob es früher auf dem Mars welches gab, aber das sind alles streng lokale Probleme. Die Grundlagen der Astrologie und der „Vorhersagen“ werden aber nicht auf fernen Galaxien und schwarzen Löchern aufgebaut, sondern auf unseren vertrauten Planeten, und die sind gut erforscht.

Als ich oben viele Objekte unseres Himmels anführte, vom Mond und Mars bis zum Jupiter, habe ich absichtlich nichts über unsere Sonne gesagt. Und ich hoffe, Sie verstehen jetzt, warum. Versuchen wir zuerst, ein Rätsel zu lösen. Nehmen wir an, wir haben eine Waage. Eine Messwaage von gewaltiger Größe. Wir nehmen alles, was es in unserem Sonnensystem gibt. Auf die eine Waagschale legen wir die Sonne selbst, auf die andere alles, was übrig bleibt. Und das ist: die Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun), ihre Trabanten/Monde (wenn die Erde einen Mond hat, hat Jupiter 67 davon, Saturn 63, Uranus 27, Neptun 14 und Mars 2), die Zwergplaneten (Pluto, Eris, Ceres, Makemake, Haumea), alle transneptunischen Objekte (zum Beispiel Sedna), alle Asteroiden, Meteoroiden, Kometen und den kosmischen Staub. Und nun die Frage: Was ist schwerer, die Sonne oder alles Übrige zusammengenommen? Die Sonne ist schwerer. Wollen Sie wissen, um wie viel? Die Sonne nimmt 99,866 % der Masse des gesamten Sonnensystems ein. Das heißt, alles, was auf der anderen Waagschale lag, nimmt nur 0,134 % der Masse des Sonnensystems ein. Ja, ja, Freunde, dort ist auch Ihr rückläufiger Merkur. Dort sind auch Ihr Mars, Jupiter, Uranus und der ganze übrige „Unsinn“, nach dem Sie wahrsagen. Apropos Merkur. Es gibt einen Mond des Saturn, Titan, der größer ist als Merkur, aber aus irgendeinem Grund berücksichtigen Sie ihn bei der Analyse nicht. Oder zum Beispiel einen Mond des Jupiter, Ganymed: Er ist noch größer, nimmt aber an den Prognosen ebenfalls nicht teil. Und wissen Sie, warum? Weil diese Objekte vor 10 Jahrhunderten, als Astrologie und Astronomie eine einzige Wissenschaft waren, einfach noch nicht entdeckt waren. Deshalb ist die Astronomie seither weit vorangeschritten und unterscheidet jetzt Mücken vor dem Hintergrund eines hellen Scheinwerfers, weit am Ufer, während die Astrologie weiterhin mittelalterliche Datenbanken benutzt. Nun, wenigstens verbrennen Sie keine Hexen auf dem Scheiterhaufen.

Also, wovon sprach ich? Ach ja! Die Sonne ist ein unglaublich schweres Objekt im Vergleich zu den anderen Planeten, so weit sie auch von uns entfernt sein mag. Ein Photon (ein Strahl/Teilchen, nennen Sie es, wie es Ihnen bequemer ist) des Lichts fliegt ganze 8 Minuten von der Sonne zur Erde, und dennoch übt die Sonne einen gewaltigen Einfluss auf uns aus. Und ich spreche jetzt nicht einmal von magnetischen Stürmen, sondern insgesamt von der Rolle der Sonne in unserem Leben. Würde sie plötzlich verschwinden, würden wir das schon nach 8 Minuten feststellen, und unser Planet würde zu gefrieren beginnen. Am Ende würde alles Lebendige vor Kälte zugrunde gehen. Und würde die Sonne wegen einer plötzlichen Explosion verschwinden, ginge alles Lebendige genauso zugrunde, aber noch schneller als vor Kälte. Deshalb ist dies das einzige Objekt des Sonnensystems, das uns beeinflusst und von dem unser Leben ganz und gar abhängt. Und beachten Sie: Auf der Liste der beeinflussenden Objekte stehen nicht die Planeten Neptun, Mars, Jupiter oder Merkur und auch keine fernen Sterne.

Es gibt ein wunderbares Buch von Sergei Jasew, der sich in Physik und Astronomie weit besser auskennt als ich, denn das ist seine Spezialisierung, an der er lange Jahre gearbeitet hat, und nicht einfach ein „Amateurastronom und -physiker“ wie ich, der schon nach der Schule seit 15 Jahren den Kosmos auf Amateurniveau aktiv studiert. Trotzdem hoffe ich, auch Sie durchaus überzeugt zu haben, und wenn nicht, dann lesen Sie dieses Buch unbedingt. Es heißt übrigens „Mythen des vergangenen Jahrhunderts“. Ich empfehle es sehr nachdrücklich, Sie werden es nicht bereuen. Erstens geht es dort nicht nur um Astrologie, sondern auch um UFOs, Nostradamus, Wasserheiler und andere interessante Irrtümer. Zweitens hat er über ebenjene Astrologie ein Fünftel des Buches in Form logischer Beispiele und Beweise. Und all das ist in durchaus verständlicher Sprache dargelegt. Das Einzige, was Sie brauchen, ist Logik, aber selbst wenn Sie sie nicht haben, hilft Sergei auch dabei. Kurz, hätte man mich gebeten, ein wissenschaftliches Buch über Pseudowissenschaften zu schreiben, hätte ich etwas Ähnliches geschrieben, natürlich mit weit weniger Beispielen. Kluge Menschen haben das also schon für mich getan, und es ist richtig, dieses Buch zu empfehlen.

Bisher haben wir sehr lange die Richtung der Astrologie besprochen, die mit dem Einfluss der Himmelskörper zusammenhängt. Sprechen wir aber ein wenig über die Schicksale der Menschen. Hier ist es wichtig, von vornherein zwei Dinge klar zu trennen, die in keiner Weise miteinander zusammenhängen. Einzelne Ereignisse im Leben von Menschen oder der gesamten Bevölkerung der Erde können den Charakter und die körperlichen Fähigkeiten eines Menschen tatsächlich beeinflussen; Sie werden etwas weiter unten an realen Beispielen verstehen, was ich meine. Und das Zweite, das man nicht in die sich bildenden Charaktere und körperlichen Fertigkeiten der Menschen einflechten sollte, sind irgendwelche Himmelskörper und die Vorstellung, sie könnten die Schicksale der Menschen auch nur irgendwie beeinflussen. Übrigens existieren die Sterne in den uns gut bekannten Sternbildern des Nachthimmels heute möglicherweise gar nicht mehr, denn wir beobachten die Vergangenheit des Sternenhimmels, die Tausende und Millionen Jahre zurückliegt, weil das Licht der Sterne genau so viele Jahre zu uns unterwegs ist (das ist noch eine kurze Tatsache zum Studium). Das heißt, wenn es bei einem der Sterne unserer Galaxie eine entwickelte Zivilisation gäbe, die jetzt in ein übermächtiges Teleskop schauen würde, sähe sie Mammuts oder Dinosaurier über die Erde gehen, nicht Menschen. Denn sie beobachten, ebenso wie wir, die Vergangenheit des Kosmos, da das Licht, das ihre Teleskope erreicht hat, Tausende oder Millionen Jahre unterwegs war und von der Erde aufbrach, als hier noch Mammuts herumliefen. Mit anderen Worten wollte ich sagen, dass irgendein Zentralstern des Sternbilds Fische längst untergegangen sein könnte und das Sternbild selbst faktisch schon nicht mehr existiert. Das Sternbild Fische habe ich ausschließlich als Beispiel genommen, denn es gibt Sterne, die uns verhältnismäßig nah sind, zum Beispiel das Dreifachsystem Alpha Centauri, nur 4,5 Lichtjahre von uns entfernt, aber es gibt auch sehr ferne Sterne. Und außerdem arbeiten Wissenschaftler bei der Erforschung des Kosmos nicht mit den Begriffen von Sternbildern. Sie verstehen besser als jeder andere, dass das Unsinn ist, und geben den Sternen klare Namen in Form von Buchstaben und Zahlen. Oft ist im Namen das Jahr enthalten, in dem das Objekt entdeckt wurde. Statt „der dritte Stern im Sternbild Jungfrau“ würden sie also etwas wie JK-023-SP-11 sagen oder den Namen eines Planeten zu Ehren naher Sterne, zum Beispiel Kepler-186 f (das ist übrigens ein echter Name). Wieder bin ich in Richtung Kosmos abgeschweift, aber ich wollte nur zeigen, dass weder die Objekte des Sonnensystems noch erst recht die Sterne der Horoskop-Sternbilder, die noch weiter entfernt sind als unsere Planeten und die Sonne, uns in irgendeiner Weise beeinflussen. Mehr noch, manche Sterne leben möglicherweise schon nicht mehr.

Am Anfang des vorigen Absatzes habe ich beschrieben, dass manche Ereignisse Charakter, Gesundheit und körperliche Fähigkeiten von Menschen beeinflussen können, und versprochen, Beispiele zu bringen. Nun, genau das tue ich jetzt. Anfangs werden diese Beispiele vielleicht für die Astrologie sprechen. Aber selbst sie lassen sich durchaus leicht erklären. In allen Beispielen werde ich, um mir Kräfte zu sparen, auf drei verschiedene Autoren und auf völlig verschiedene Geschichten in verschiedenen Teilen der Erde verweisen.

1) Den ersten Fall habe ich aus meinem Lieblingsbuch genommen, das Ihnen aus diesem Kapitel schon bekannt ist. Sergei Jasew, „Mythen des vergangenen Jahrhunderts“. Es geht um Menschen (Soldaten), die in verschiedenen Monaten geboren wurden. „Bei der Untersuchung der Fragebogendaten von 21000 Neuseeländern, die im Zweiten Weltkrieg mobilisiert wurden, entdeckte der englische Demograf Fait Ende der 1980er-Jahre eine merkwürdige Gesetzmäßigkeit. Die größten Männer (und in den Fragebögen wurden Größe und Gewicht der Rekruten erfasst) wurden in der Regel im Januar geboren, die kleinsten im Juni. Im Dezember wurden gewöhnlich die dicksten geboren, im Juni die dünnsten. Und es unterschieden sich nicht nur Größe und Gewicht: Es wurden Unterschiede in der Größe der Organe, in der Reaktionsgeschwindigkeit und in einigen biochemischen Kennwerten festgestellt. In der Sprache der Astrologie können wir sagen: Menschen, die zum Beispiel unter dem Zeichen des Steinbocks geboren wurden, unterschieden sich im genannten Sinne von Menschen, die zum Beispiel unter dem Zeichen der Zwillinge geboren wurden …“

2) Und hier wende ich mich dem Buch von Alexei Markow zu, „Der Frosch, der Elefant und der Brokkoli“, und es geht um Sportler, die in verschiedenen Monaten geboren wurden. „Aber es gibt etwas Interessantes. Mich hat eine sich selbst erfüllende Prophezeiung über kanadische Eishockeyspieler verblüfft. Der Autor bemerkte, dass die Geburtstage der Profispieler stark in Richtung Januar–Februar und teilweise März verschoben sind.“

Beide Beispiele stammen also aus verschiedenen geografischen Orten und aus verschiedener Zeit. Es mag scheinen, dass es einen Zusammenhang mit dem Einfluss auf Menschen gibt, die in verschiedenen Monaten geboren wurden. In Wirklichkeit braucht es hier aber keine Astrologie und erst recht nicht den Einfluss der Sterne. Wieder genügen Logik, gesunder Menschenverstand und ein wenig Statistik.

Die Erklärung des ersten Falles ist recht einfach. Sie hängt damit zusammen, dass die Mutter zu verschiedenen Zeiten des Jahres eine unterschiedliche Menge an Vitaminen und insgesamt eine richtigere Ernährung erhält. Und das bedeutet: Wenn die Mutter schwanger ist und das Kind zu einem Zeitpunkt austrägt, in dem ihre Ernährung schlechter ist, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind etwas weniger gesund sein wird, verglichen damit, wenn sie sich in der Saison von Obst und Gemüse ideal ernährt hätte. Die schlechte Ernährung der Mutter kann sich sogar auf das Wachstum des Kindes auswirken. Aber das ist nicht das Schlimmste, denn nach dem zweiten Beispiel bringe ich noch ein Beispiel zur Ernährung.

Die Erklärung des zweiten Falles ist ebenfalls recht einfach. Und nein, das bedeutet nicht, dass die Jungs, die im Januar und Februar geboren wurden, kräftiger sind. Schade übrigens, denn ich bin im Januar geboren, und über die Gesundheit beklage ich mich auch nicht. Die Erklärung dieses Phänomens vertraue ich ebenfalls dem Autor des Buches an. Im Grunde ist es einfach die Fortsetzung des Gedankens. „Wie vollzieht sich das Wachstum der Meisterschaft von Eishockeyspielern? Der Trainer wählt die Besten aus, nimmt sie in die Mannschaft, sie spielen mehr, trainieren mehr, wechseln in die nächste Liga und bekommen stärkere Trainer, trainieren mehr, spielen mehr … und so weiter. Mit 13–14 Jahren können die ‚weniger begabten‘ Altersgenossen schon nicht mehr mit ihnen mithalten, wie sehr sie sich auch bemühen. Aber die ‚Talente‘ wurden nicht deshalb ausgewählt, weil sie besser spielten, sondern weil sie älter waren! Wenn der eine 6 Jahre und 1 Monat alt ist und der andere 6 Jahre und 11 Monate, wird zwischen ihnen ein Unterschied in Koordination, Kraft und Ausdauer bestehen, allein aufgrund des Alters.“ So lässt sich beobachten, dass auch hier alles ziemlich banal und einfach erklärbar ist.

Und das dritte Beispiel nehme ich aus dem Buch von Robert Sapolsky, „Psychologie des Stresses“. Es geht um das Jahr 1944, das in den Niederlanden als Hungerwinter bekannt ist. „Den ganzen Winter hungerten die Niederländer. Die Menschen nahmen weniger als tausend Kalorien am Tag zu sich, waren gezwungen, sich von Tulpenzwiebeln zu ernähren, und 16 Tausend Menschen starben an Hunger. Die Embryonen, die in jenem Winter damit beschäftigt waren, ihren Stoffwechsel zu programmieren, erhielten für das ganze weitere Leben grausame Lektionen über die Verfügbarkeit von Nahrung. Im Ergebnis erschien ein halbes Jahrhundert später eine große Gruppe von Menschen mit einem ‚sparsamen‘ Stoffwechsel und einem hohen Risiko für das metabolische Syndrom. Offenbar werden verschiedene Aspekte des Stoffwechsels und der Physiologie in verschiedenen Stadien der Embryonalentwicklung programmiert. Wenn Sie während der Hungersnot ein Embryo des ersten Trimesters waren, programmiert Sie das auf Herzkrankheiten, Fettleibigkeit und einen ungesunden Cholesterinspiegel, und wenn Sie ein Embryo des zweiten oder dritten Trimesters waren, programmiert Sie das auf ein erhöhtes Diabetesrisiko.“ In diesem Fall sehen wir, dass nicht nur Kinder, die in bestimmten Monaten geboren wurden, irgendwelche Unterschiede aufweisen, sondern sogar ganze Generationen.

Beeinflusst das in allen drei Fällen irgendwie ihr Schicksal und ihre Horoskope? Natürlich nicht. Vielleicht wurde jemand größer geboren, jemand kleiner, jemand gesünder, jemand weniger. Alle diese Menschen haben eine Erziehung erhalten, und ihr Charakter hat sich auf der Grundlage des Milieus gebildet, in dem sie aufgewachsen sind (Familie + Kindergarten + Schule + dann die Arbeit), in Verbindung mit vorprogrammierten genetischen Besonderheiten, die von den Eltern vererbt wurden. Aber keine Sterne und keine Horoskope haben ihre Schicksale beeinflusst oder beeinflussen sie. Das Interessanteste ist, dass meine Freunde und Bekannten, denen ich auf Instagram folge und die manchmal, ob im Scherz oder nicht, Beiträge und Stories über Astrologie und Horoskope posten, einsame Menschen sind. Und im Leben kann man auch nicht sagen, dass sie sehr großen Erfolg gehabt hätten. Folglich verbessert das Wissen um die Astrologie und die Orientierung an ihr ihr Leben nicht. Mehr noch, sie verpassen viele Möglichkeiten, sowohl bei der Arbeit als auch im Privatleben, weil sie auf einen aus astrologischer Sicht günstigen Zeitraum warten.

Es ist Zeit, dieses Kapitel abzuschließen, denn es ist im Vergleich zu den anderen ohnehin riesig geworden.

Wenn ein Mensch an Horoskope und Astrologie glaubt, ist das ein ziemlich gefährlicher Mensch. Wie wir früher festgestellt haben, fehlt es ihm an Logik und an Wissen in den Grundwissenschaften (im 21. Jahrhundert halte ich es doch für verpflichtend, die grundlegenden Gesetze der Physik zu verstehen, nach denen die Welt funktioniert, in der wir leben). Sie wissen nicht, was man von diesem Menschen noch erwarten kann und wo er sich blamieren kann, wie ebenjenes Kind aus dem Kindergarten, das noch nicht weiß, dass 2 + 2 = 4 ist. Einen solchen Menschen kann man leicht in die Irre führen, und wozu das führen kann, hat Alexander Pantschin in seinem Buch „Apophänie“ ausgezeichnet gezeigt.

Die Astrologie hinterlässt leider eine enorme Spur im Leben vieler Menschen. Eine einfache Pseudowissenschaft, aber fähig, Millionen zu suggerieren und zu zombifizieren. Jemand heiratet nicht, jemand zögert, um eine Gehaltserhöhung zu bitten, erledigt wichtige Dinge nicht und so weiter. Und dabei ist das alles nicht wahr.

Ich werde hier nicht alle Argumente dafür darlegen, dass dies eine Pseudowissenschaft ist, denn davon gibt es in dem Buch, das ich empfohlen habe, genug. Wenn Sie außerdem ein „Flacherdler“ sind, dann kann Ihnen schon niemand mehr helfen. Wenn Sie aber auch nur ein wenig an der Fortsetzung dieses Themas interessiert sind, dann gehört „Mythen des vergangenen Jahrhunderts“ in Ihre Hände.

Zum Abschluss des Kapitels wiederhole ich die Hauptschlussfolgerung aus allem, was Sie oben gelesen haben: Glauben Sie nicht an Astrologie, glauben Sie nicht an Horoskope und lassen Sie sich von „Astrologen“ und ihren „Vorhersagen“ nicht zum Narren halten. Sie selbst haben das Recht zu entscheiden, wann Sie etwas tun und was Sie tun, und dafür brauchen Sie die Erlaubnis keiner Sterne. Einen besseren Moment als jetzt wird es nicht geben!

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